Schweden rüstet auf
Es ist kein Zufall, dass Schweden seine Verteidigungsausgaben in den kommenden zehn Jahren um umgerechnet knapp 28 Milliarden Euro erhöhen will. Seit der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014 sind die Investitionen gestiegen. Zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar 2022 ist Schweden 2024 nach zwei Jahren Wartezeit der NATO beigetreten und gab damit seine Neutralität auf. Gut für das Bündnis, denn die schwedische Verteidigungsindustrie gehört zu den größten und fortschrittlichsten Europas.
Schweden plant, seine Verteidigungsausgaben bis 2030 von derzeit 2,4 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Vor dem Hintergrund einer vergleichsweise kleinen Bevölkerung von rund zehn Millionen Menschen stellt dies einen signifikanten Anstieg dar. Die geplante Aufstockung zeigt, dass Schweden entschlossen ist, erhebliche Ressourcen in die Verteidigung zu investieren, um auf die zunehmenden sicherheitspolitischen Anforderungen zu reagieren.
Während unserer Besuche bei schwedischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zeigten sich diese selbstbewusst und mit einer entschlossenen Haltung: Schweden werde sich verteidigen und sorge nicht nur dafür, dass das Militär vorbereitet ist, sondern auch die Zivilbevölkerung. Das in Schweden verankerte Konzept der „Totalen Verteidigung“ setzt auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Zivilbevölkerung und Regierung, um die Verteidigung des Landes gemeinsam zu gewährleisten.
Schwedische Unternehmen wie Saab profitieren von einer wachsenden Auftragslage. Der Rüstungskonzern, der unter anderem das Kampfflugzeug Gripen produziert, hat kürzlich seine Umsatzprognose angehoben. Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie Schwedens konnte 2024 ihren Umsatz um 55 Prozent auf knapp 9 Milliarden Euro steigern, die Zahl der Beschäftigen stieg von 22.250 im Jahr 2024 auf 28.416, der Export wuchs um 26 Prozent. Diese Zahlen unterstreichen die dynamische Entwicklung und die zunehmende Bedeutung dieses Sektors für Wirtschaft und nationale Sicherheit.
Wie ist die Lage in Baden-Württemberg?
Auch der deutsche Südwesten profitiert vom Aufschwung der Rüstungsindustrie; einige baden-württembergische Unternehmen wie Diehl Defence und Heckler & Koch sind bereits länger Player in der Branche, andere öffnen sich der Branche. Viele Unternehmen zeigen erhöhtes Interesse daran, in die Rüstungsindustrie einzusteigen oder mit ihr zusammenzuarbeiten, nicht zuletzt, weil die hiesige Automobilbranche schwächelt. Die Rüstungsindustrie bietet den Unternehmen neue Geschäftsfelder und könnte damit eine Alternative für u.a. Zulieferer sein.
Einfach ist der Einstieg in die Rüstungsindustrie nicht. Wer in diesem Bereich tätig werden will, muss sich zunächst organisatorisch und strategisch entsprechend aufstellen. Und dann gilt es genau zu prüfen, in welchem Umfang eine Beteiligung sinnvoll ist, welche Produkte geliefert werden sollen, an wen und unter welchen Bedingungen. TRUMPF etwa will seine Lasertechnologien ausschließlich für defensive Systeme bereitstellen, die nicht gegen Menschen gerichtet sind. Moralische und ethische Überlegungen spielen hier eine zentrale Rolle.
Ein Teilnehmer der Delegation betonte die schwedische Einstellung gegenüber der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie als besonders: