Was das Vereinigte Königreich zu einem vielversprechenden Markt für Kooperationen macht

Es ist ein Meilenstein für die deutsch-britischen Beziehungen: Am 17. Juli 2025 unterzeichneten Bundeskanzler Friedrich Merz und Premierminister Keir Starmer den ersten bilateralen Vertrag zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich, der auch für südwestdeutsche Unternehmen neue Türen öffnet. Baden-Württembergs Repräsentantin in Großbritannien Nicola Pinder ist überzeugt: „Der Kensington-Vertrag ist ein einmaliges Abkommen, das einen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Deutschland als enge strategische Partner schafft und dazu beiträgt, eine sichere und prosperierende Zukunft für beide Länder zu gestalten, die alle Bereiche der bilateralen Beziehungen abdeckt.“

 

Neue Möglichkeiten durch das deutsch-britische Freundschaftsabkommen

Durch den Freundschaftsvertrag soll das wirtschaftliche Wachstum beider Länder gefördert werden, wofür gemeinsame Ziele vereinbart wurden. Im Fokus stehen Partnerschaften für den digitalen Wandel und dazugehörigen Innovationsprojekten sowie die Förderung einer nachhaltigen und klimafreundlichen Zukunft. Dafür wird z.B. in den Feldern Maschinenbau, Erneuerbare Energien, KI und Dienstleistungen eine stärkere Zusammenarbeit angestrebt. Ausgebaut werden sollen vor allem Kooperationen zwischen kleinen und mittleren Unternehmen sowie Start-ups in den Bereichen Handel, Innovationen und Investitionen. Aber auch die internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft und Forschung soll gestärkt werden. „Ein zentraler Pfeiler dieser neuen Wirtschaftspartnerschaft ist die Einrichtung eines jährlichen britisch-deutschen Wirtschaftsforums“, ergänzt Pinder. Diese neue Plattform fördert den Austausch zwischen beiden Regierungen sowie Wirtschaftskreisen und die Zusammenarbeit in den oben genannten Schlüsselbereichen.

 

Vielseitige Perspektiven in Zukunftstechnologien

Für baden-württembergische Unternehmen ist jetzt also der richtige Zeitpunkt, um nach Großbritannien zu blicken. Der britische Markt bietet für Firmen aus dem deutschen Südwesten laut Pinder großes Potenzial:

Baden-Württemberg und Großbritannien sind beide führend im Bereich der digitalen Innovationen, was Großbritannien zu einem attraktiven Markt für Unternehmen aus Baden-Württemberg in Bereichen wie Softwareentwicklung, Datenanalyse und digitale Infrastruktur macht. Das Vereinigte Königreich bietet erstklassige Fachkräfte, hohe Investitionen und ein robustes unternehmensfreundliches Umfeld für zuverlässiges Wachstum, Handel und Investitionen.

Nicola Pinder, Repräsentantin des Landes Baden-Württemberg für das Vereinigte Königreich

Der Inselstaat zählt zu den innovativsten Ländern der Welt und erreichte 2024 das zweitgrößte Wachstum der G7-Staaten nach den USA. Die Mehrheit der britischen Bevölkerung befürwortet eine engere Zusammenarbeit mit europäischen Partnern.

Gute Geschäftschancen eröffnen sich dabei in vielen Branchen. Dazu gehören u.a.:

Erneuerbare Energien: Im Vereinigten Königreich wird viel grüner Wasserstoff produziert. Die britische Regierung plant bis 2030 die Wasserstoffkapazitäten noch weiter auszubauen und will so eine der größten Wasserstoffökonomien Europas werden. In Baden-Württemberg herrscht wiederum ein großer Bedarf an Wasserstoff, weshalb sich eine Zusammenarbeit mit britischen Partnern lohnt. Viel Potenzial bietet das Vereinigte Königreich auch im Bereich der Offshore-Windenergie, denn es hat den weltweit zweitgrößten Windenergie-Markt nach China. Mit Dogger Bank ist es sogar das Zuhause des größten im Aufbau befindenden Offshore-Windparks der Welt – mit 227 Windkrafträdern.

Künstliche Intelligenz: Großbritannien gilt nach den USA und China als weltweit drittgrößter Markt für KI und brachte bereits einige innovative Firmen wie z.B. Wayve hervor, die dieses Jahr mit der Unterstützung des BW-UK-Office eine Niederlassung in Stuttgart eröffnete. Um in dem Zukunftsfeld in der oberen Liga zu bleiben, hat die britische Regierung einen AI Opportunities Action Plan verkündet. Durch diesen soll die KI-Infrastruktur im Land weiter ausgebaut sowie kleine und mittlere Unternehmen bei der Nutzung gefördert werden. Zudem sollen die Forschungsressourcen im Vereinigten Königreich bis 2030 um das 20-fache erweitert und Universitäten besser ausgestattet sowie Verbindungen zur Industrie gestärkt werden. Unterstützt werden auch internationale Partnerschaften, was baden-württembergischen KI-Playern gute Markteinstiegsmöglichkeiten bietet. „Die Implementierung von Künstlicher Intelligenz ist ein interessantes Fallbeispiel, bei dem wir voneinander lernen können. Unsere Märkte unterliegen unterschiedlichen Vorschriften, weshalb ein kontinuierlicher Dialog wichtig ist“, so Pinder.

E-Mobilität: Die britische Regierung fördert den Verkauf von E-Autos und Ausbau von Ladestationen, um den nachhaltigen Wandel der Automobilindustrie voranzutreiben. Das zahlt sich aus: 2024 wurden im Vereinigten Königreich mit mehr als 380.000 Fahrzeugen die meisten vollelektrischen PKW in Europa neu zugelassen. Unternehmen aus Großbritannien punkten durch innovative Technologien, die auch für südwestdeutsche Firmen viel Potenzial bieten. Im Rahmen des von der Regierung eingeführten DRIVE35-Programms sollen bis 2030 britische Start-ups und Unternehmen aus der Branche mit zwei Milliarden Pfund gefördert werden, um das Wachstum der Branche sicherzustellen.

MedTech: Auch der MedTech-Markt wächst im Vereinigten Königreich durch staatliche Investitionen in Milliardenhöhe. Der drittgrößte Markt Europas für Medizintechnik punktet vor allem durch die zunehmende Digitalisierung der Branche, Start-up-Gründungen und Universitäten mit eigenen Forschungseinrichtungen im Digital Health Sektor. Vorne dabei sind z.B. das Big Data Institute der Oxford Universität und das Institute of Health Informatics am University College London. Eng verknüpft damit ist auch das Wachstum der britischen Pharmaindustrie, die durch Innovationen und hochqualifizierte Arbeitskräfte viel Potenzial bietet.

Britische Unternehmen bieten innovative Technologien, die auf einem Markt von Early Adoptern getesten wurden. (...) Wir probieren gerne neue Technologien aus und kommen gut mit Risiken zurecht.

Nicola Pinder, Repräsentantin des Landes Baden-Württemberg für das Vereinigte Königreich

Darüber hinaus sieht Pinder eine wachsende Bedeutung der Raumfahrttechnik und Verteidigungsindustrie, weshalb es sich für südwestdeutsche Unternehmen lohnt, diese Branchen im Blick zu behalten. Die positive wirtschaftliche Entwicklung des Landes wird auch dadurch gefördert, dass das Vereinigte Königreich ein Markt von Early Adoptern ist. Britinnen und Briten probieren gerne neue Technologien aus und stehen diesen offen gegenüber. Dieses Mindset fördert die Innovationskraft in zahlreichen Branchen in Großbritannien und macht das Land zum idealen Markt, um neue Produkte zu testen.

Sie möchten noch mehr zum britischen Markt erfahren? In unserer Podcast-Folge mit UK-Repräsentantin Nicola Pinder teilt sie weitere Insights zum Vereinigten Königreich.

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Typ
Update
Autor
Datum
17.09.2025

Manuel Mielke

Internationalisierung

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