Qualifiziert in vielseitigen Berufsgruppen
In den vergangenen 30 Jahren haben sich indische Fachkräfte in Europa und den USA vor allem im Informationstechnologiesektor einen Namen gemacht. Aber auch in anderen Berufsgruppen sind Erwerbstätige aus Indien international vertreten. So sind sie vor allem in den Bereichen Bauwesen, Infrastruktur, Ingenieurwesen, Automobil, Mechatronik, Gastgewerbe und Pflege tätig. Beschäftigt werden indische Mitarbeitende im Ausland mittlerweile auch in fast jedem kritischen Industriezweig wie z.B. Nanotechnologie, Robotik und Sondermetalle sowie der dazugehörigen Forschung und Entwicklung. Zudem gehören Auszubildende zu eine der wichtigsten Gruppen, die für internationale Märkte gewonnen werden können. Nicht zu unterschätzen ist das Potenzial junger Inderinnen und Inder, die sich für ein Studium in Deutschland entscheiden. Die Anzahl dieser hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, was sie mittlerweile zur größten Gruppe ausländischer Studierenden in Deutschland macht. Sie belegen oft die vom Fachkräfteengpass stark betroffenen MINT-Fächer.
Bisher haben sich Inderinnen und Inder überwiegend in den USA, dem Vereinigten Königreich, im Nahen Osten sowie in Südostasien niedergelassen. Beliebt sind diese Regionen, weil dort Englisch oder eine der lokalen indischen Sprachen gesprochen wird. Deutschland und Baden-Württemberg sind relativ neue Ziele, aber Menschen aus Indien erkennen zunehmend das Potenzial als attraktiver Arbeitsmarkt. So erhöhte sich zwischen Mitte 2020 und 2024 die Anzahl der in Deutschland beschäftigten Inderinnen und Inder von ca. 70.000 auf 155.000 Personen. Zudem lässt sich beobachten, dass das Interesse an Deutsch als Fremdsprache steigt.
Herausforderungen bei der Beschäftigung indischer Talente
Auch wenn das Potenzial Indiens für die Fachkräftegewinnung groß ist, sollten sich Unternehmen den Herausforderungen bewusst sein, die sie bei der Einstellung indischer Mitarbeitenden erwarten können. Die deutsche Sprache ist dabei die größte - bis zum Erreichen des A2- oder B1-Niveaus, das für ein Visum vorausgesetzt wird, dauert es acht bis zwölf Monate. Durch Sprachkurse an Hochschulen, vor allem zu Beginn eines Studiums, kann dem aber begegnet werden. Eine weitere Hürde sind kulturelle Unterschiede, die z.B. die Essgewohnheiten oder soziale Faktoren betreffen. In Baden-Württemberg unterstützen Welcome Center indische Talente bei diesen Aspekten und arbeiten eng mit potenziellen Arbeitgebern zusammen, um die Rekrutierung und das anschließende Ankommen im deutschen Südwesten möglichst einfach zu gestalten.
Unterstützung für baden-württembergische Firmen bei der Fachkräftegewinnung
Am 16. Oktober 2024 wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie dem Auswärtigen Amt eine Fachkräftestrategie mit dreißig Maßnahmen für Indien beschlossen, die beim Ausbau der Fachkräftegewinnung in Indien helfen soll. Im Rahmen dieser werden bürokratische Hürden abgebaut, Visaverfahren digitalisiert und mehr Deutschkurse in Indien vermittelt. Auch die deutsche Präsenz an dort stattfindenden Jobmessen soll indische Talente für Deutschland begeistern.
Baden-Württemberg und der Partnerbundesstaat Maharashtra haben bereits im Februar 2024 eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in den Bereichen Fachkräftemigration und berufliche Bildung unterzeichnet. Im Rahmen dieser wurde unter dem Dach von Baden-Württembergs Auslandsbüro in Indien (Maharashtra) ein Service Desk für die Fachkräftegewinnung eingerichtet, das südwestdeutsche Firmen bei der Rekrutierung indischer Talente unterstützt.
„Das Ziel des Service Desk ist es, baden-württembergische Unternehmen bei der Suche nach den richtigen Institutionen wie Personalvermittlungsagenturen und Ausbildungsinstituten für die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte und Auszubildender zu helfen. Das Service Desk hat einen Überblick über die passenden Stakeholder in Maharashtra und in Baden-Württemberg. Dadurch kann es z.B. potenzielle Arbeitgeber aus dem deutschen Südwesten bei Reisen nach Indien für Gespräche mit lokalen Institutionen vernetzen, die zu ihren Anforderungen passen“, fasst Ashish Pandit vom Auslandsbüro die Leistungen des Services Desk zusammen. Erfolge konnte das Service Desk bereits bei der Gewinnung von Fachkräften in der Pflege und im Gastgewerbe sowie Auszubildenden im Handwerk erzielen.