Wenn ein Land es geschafft hat, sich wirtschaftlich neu zu orientieren und zukunftsfest aufzustellen, dann sind es die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Die Zeiten, in denen die Föderation allein vom Ölsektor abhängig war, sind vorbei. Zwar nimmt die Branche eine weiterhin wichtige Rolle für den Staat ein, der die weltweit siebtgrößten Erdölreserven aufweist, aber die Emirate spielen heute auch in weiteren Feldern in der oberen Liga. Mittlerweile stammen mehr als 70 Prozent der Wirtschaftsleistung aus anderen Branchen als dem Öl- und Gassektor. Zum Vergleich: Vor über 20 Jahren gingen noch 90 Prozent der Staatseinnahmen auf die Branche zurück. Statt sich auf ihren Gewinnen durch fossile Rohstoffe auszuruhen, hat die Föderation diese genutzt, um in innovative Zukunftsfelder zu investieren und so ihre Wirtschaft diversifiziert. Deshalb überrascht es nicht, dass die VAE das stärkste Wirtschaftswachstum der Golfregion aufweist: 2025 wird laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Wachstum von fast fünf Prozent erwartet.
Vielseitige Geschäftschancen für südwestdeutsche Firmen
Baden-württembergische Unternehmen können sich nicht nur von der Anpassungsfähigkeit der Region inspirieren lassen, sondern ihr Potenzial für einen Markteinstieg nutzen. Deutschland zählt zu den wichtigsten europäischen Handelspartnern der Emirate. So sind dort über 1000 deutsche Firmen aktiv, die den Staat auch als Tor zu weiteren GCC-Märkten nutzen. Die Möglichkeiten scheinen endlos, denn die Wirtschaft der VAE ist sehr breit aufgestellt. Wir werfen einen Blick auf die vielversprechendsten Branchen:
Digitalisierung: Die Regierung der VAE hat zur Förderung des Digitalisierungssektors eine Strategie mit über 30 Initiativen angekündigt. Diese umfasst Maßnahmen zur Förderung von Cybersecurity, Industrie 4.0, Künstlicher Intelligenz und Smart Cities. Wie wichtig der Föderation das Zukunftsfeld KI ist, zeigt sich durch den Aufbau eines eigenen Ministeriums für KI, Digitale Wirtschaft und Remote Work sowie der Gründung der weltweit ersten Hochschule mit KI-Fokus, der Mohamed bin Zayed University of Artificial Intelligence. Außerdem haben die VAE im laufenden Jahr Partnerschaften mit amerikanischen Techfirmen wie Microsoft, Nvidia und OpenAI aufgebaut, um gemeinsame Projekte zu etablieren. Dazu gehört etwa das geplante Stargate-Projekt in Abu Dhabi, das den größten KI-Campus außerhalb der USA beheimaten soll. Der Bau- und Immobilienboom in den VAE sorgt zudem für eine steigende Nachfrage nach Smart-City-Innovationen wie energieeffizienten Gebäudelösungen und nachhaltigen Stadtentwicklungsprojekten. Südwestdeutsche Firmen profitieren vom hohen Ansehen deutscher Smart-City-Technologien in den VAE.
Erneuerbare Energien: Im Bereich grüne Energie spielt in den VAE Wasserstoff eine zentrale Rolle, denn die Föderation plant bis 2031 zu einem der weltweit führenden Wasserstoffproduzenten zu werden. Vielversprechende Möglichkeiten bieten aber auch die Felder Photovoltaik und Windkraft. Ein prominentes Beispiel für Erfolge in der Solarenergie ist der Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solarpark in Dubai - der weltweit größte Solarpark.
E-Mobilität: Die VAE setzen vermehrt auf Elektromobilität und Deutschland zählt dabei zu den wichtigsten Lieferländern. Das Potenzial ist in der Föderation durch ihre auf Nachhaltigkeit ausgelegten Strategien und das hohe Umweltbewusstsein der jungen Bevölkerung groß. Der Staat investiert gezielt in intelligente Mobilitätstechnologien und spiegelt die Transformation auch in seinen eigenen Reihen wider: 20 Prozent aller Regierungsfahrzeuge sind bereits elektrisch.
Gesundheitswirtschaft: Laut Anas Aljuaidi, Wirtschaftsrepräsentant des Landes Baden-Württemberg in Abu Dhabi, sind die VAE das führende Zentrum für Gesundheitswirtschaft im Mittleren Osten. Für südwestdeutsche Firmen eröffnet das laut ihm gute Geschäftsmöglichkeiten: