Neue Chancen für baden-württembergische KMU im Zukunftsmarkt Indonesien

Mit Stolz präsentierten sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der neue indonesische Präsident Prabowo Subianto Mitte Juli 2025 nach der politischen Einigung über das Comprehensive Economic Partnership Agreement (CEPA). Nach rund zehn Jahren und 19 zähen Verhandlungsrunden markiert die Einigung bei diesem Freihandelsabkommen einen Lichtblick in Zeiten, in denen Protektionismus das Schlagwort der Stunde ist.

Die Unterschrift des Abkommens soll im September erfolgen, auch die Details sind noch nicht veröffentlicht. Doch spürbare Erleichterungen im Außenhandel werden kommen und Unternehmen den Marktzugang erleichtern, Zölle reduzieren und die Zusammenarbeit in Schlüsselindustrien stärken. Für deutsche KMU bedeutet das neue Wachstumschancen in einem Land, das nicht zuletzt aufgrund seiner zahlreichen tarifären und nicht-tarifären Handelshemmnisse als besonders herausfordernd gilt.

Lichtblick in einem umkämpften Markt

Der indonesische Markt gilt durch die chinesische Konkurrenz als stark umkämpft. So profitierte China von früheren Handelsabkommen und seiner Preiswettbewerbsfähigkeit, was dem Land einen strukturellen Vorteil in zahlreichen Industriezweigen verschaffte. Auch die Ende Juli angedeuteten Zugeständnisse Indonesiens gegenüber seinem wichtigen Handelspartner USA könnte der transatlantischen Konkurrenz Vorteile verschaffen – die Details und konkrete Umsetzung sind jedoch auch hier noch abzuwarten.

Die Dynamik, die durch das bevorstehende Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indonesien entsteht, könnte dennoch einen Wendepunkt für deutsche Technologien bedeuten. Mit ihrem Ruf für Qualität und Zuverlässigkeit könnten in Deutschland hergestellte Waren bald preislich insgesamt wettbewerbsfähiger werden, wodurch Deutschland in Sektoren, in denen es auf internationaler Bühne traditionell stark ist, wieder an Boden gewinnen könnte.

Deutsch-indonesische Freundschaft

Bereits heute sind laut DIHK rund 300 deutsche Firmen mit 75.000 Beschäftigten in Indonesien aktiv. Die Rolle als Gastland der Hannover Messe 2023 hat die Zusammenarbeit mit Deutschland weiter vertieft – mit zahlreichen neuen Projekten in den Bereichen Green Industry, Smart Manufacturing und Digitalisierung. Auch Hochschulen und Forschungseinrichtungen profitieren vom engen Austausch und den zunehmenden Kooperationen.

Baden-Württembergische Akteure leisten hierzu einen wichtigen Beitrag:

Ob Maschinenbauer wie Arburg, Automatisierungstechniker wie FESTO oder Finanzakteure wie die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) – viele nutzen Indonesien bereits als Testmarkt, Servicezentrum oder sogar als Produktionsstandort. Im Hochschulbereich florieren derweil zahlreiche Austausch- und Partnerschaftsprogramme, so beispielsweise auch zwischen der Hochschule für Technik und Gestaltung (HTWG) Konstanz und der ITS Surabaya.

Dieses Engagement verdeutlicht: Indonesien ist längst mehr als nur ein klassischer Rohstofflieferant. Es etabliert sich zunehmend als Chancenmarkt und strategischer Partner in einer der dynamischsten Wachstumsregionen der Welt.

Warum Indonesien der Schlüssel zur ASEAN-Region ist

Mit rund 284 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und rund 40 Prozent des ASEAN-BIP ist Indonesien bereits einer der zentralen Knotenpunkten Südostasiens. Das Land wirkt als Motor für die wirtschaftliche Integration der Region und spielt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung von Handelsabkommen und der Harmonisierung von Standards in der ASEAN Economic Community (AEC). Als Mitglied im Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) stärkt Indonesien seine Bedeutung im größten Freihandelsraum der Welt und dient als Brücke zwischen Südostasien und globalen Märkten.

Hinzu kommen stabile politische Institutionen, eine strategisch günstige Lage sowie eine wachsende, gut ausgebildete Mittelschicht – Faktoren, die das Land für internationale Investitionen besonders attraktiv machen. Das kürzlich abgeschlossene Freihandelsabkommen CEPA (Comprehensive Economic Partnership Agreement) mit der EU schafft zusätzlich verlässliche Rahmenbedingungen für Handel und Investitionen.

Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Wer in Indonesien präsent ist, positioniert sich zugleich als relevanter Akteur in einem erweiterten Wirtschaftsraum mit über 680 Millionen Menschen. Indonesien wirkt dabei nicht nur als Tor zur Region, sondern auch als Stabilitätsanker mit wachsender globaler Relevanz.

Der nächste Schritt: Scouting für Lösungsanbieter aus Maschinenbau & GreenTech

Gleichzeitig steht Indonesien – trotz starkem Wachstum – vor erheblichen strukturellen Herausforderungen, insbesondere in den Bereichen Abfallwirtschaft, Wasserinfrastruktur und Recyclingtechnik: Über 90 Prozent des kommunalen Abwassers werden nicht sicher behandelt. Nur rund 1,2 Millionen Tonnen Plastikabfälle werden pro Jahr recycelt – das sind lediglich 10–15 Prozent der tatsächlichen Recyclingnachfrage. Und auf vielen Deponien fehlt es an grundlegender Infrastruktur, moderner Technologie und digitaler Steuerung.

Für Lösungsanbieter und Komponentenhersteller im Bereich Maschinenbau und Umwelttechnik eröffnet sich damit ein konkretes Marktpotenzial, unter anderem in folgenden Bereichen:

  • Wasser- und Abwassertechnik
  • Abfallmanagement & Recyclingtechnologie
  • Verpackungstechnologie
  • Energieeffiziente Anlagentechnik
  • Digitalisierung & Automatisierung industrieller Prozesse

Fragen rund um den indonesischen Markt beantworten euch unsere Länderexpertin Caroline Müller-Runte, Managerin Internationalisierung Südostasien, und Kai Neuber, ASEAN-Repräsentant des Landes Baden-Württemberg.

 

Empfohlene Artikel

Slider überspringen.