© stock.adobe.com -f11photo

Mobilität und Aerospace: Baden-Württemberg nutzt neue Potenziale in den USA

Die USA sind nach wie vor der wichtigste Handelspartner Baden-Württembergs. Welche Chancen die Vereinigten Staaten für Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus THE LÄND in der Automobilindustrie sowie der Luft- und Raumfahrt bieten, erfahren Sie in diesem Update.

Mehr als nur NASA: Luft- und Raumfahrt sowie Automotive in den USA

Die US-amerikanische Raumfahrtindustrie bietet große Marktpotenziale, getragen von führenden Unternehmen wie Lockheed Martin, Boeing und privaten Akteuren wie SpaceX und Blue Origin sowie umfangreicher staatlicher Unterstützung. Wichtige Wachstumsfelder sind weltraumgestützte Anwendungen, darunter Satellitenkommunikation, Navigation und Meteorologie, die in vielen Industrien zunehmend nachgefragt werden. Die Branche zeichnet sich durch hochqualifizierte Fachkräfte, gut entwickelte Vertriebsstrukturen und starke politische Förderung aus.

In den vergangenen zehn Jahren hat die zunehmende Kommerzialisierung der Branche die Innovationskraft beschleunigt und die Kosten für den Zugang zum Weltraum deutlich gesenkt. Gleichzeitig wurden internationale Kooperationen, insbesondere im Rahmen der Internationalen Raumstation (ISS), intensiviert. Mit Programmen wie Artemis, das die Rückkehr von Astronauten auf den Mond vorsieht, und verstärkter Marsforschung zeigt sich die US-Raumfahrtindustrie weiterhin dynamisch und innovationsgetrieben.

Der US-Automarkt hingegen steht 2025 trotz eines guten Jahresstarts vor einer spürbaren Abkühlung. Hauptgründe für das drohende Abbremsen des Marktes sind steigende Preise infolge neuer Importzölle sowie der Wegfall der staatlichen E-Auto-Förderung, der den Absatz elektrischer Modelle deutlich schwächt. Viele Hersteller richten sich wieder stärker auf Verbrenner aus, während der Ausbau neuer Produktionskapazitäten nur langsam vorankommt. Deutsche Autobauer spüren die Zölle besonders und erhöhen daher ihre US-Produktion, um sinkende Exporte auszugleichen.

Delegationsreise USA: Marktpotenziale für baden-württembergische Unternehmen

Mit einer rund 60-köpfigen Wirtschaftsdelegation reiste Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut vom 16. bis 21. November 2025 nach Washington D.C., Atlanta und Orlando. Die Reise wurde von BW_i passgenau für die Bedarfe der baden-württembergischen Wirtschaft konzipiert und durch Außenwirtschaftsfördermittel des Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg unterstützt. Inhaltliche Schwerpunkte waren die Themen Automobil und Luft- und Raumfahrt – und damit Branchen, die die südwestdeutsche Wirtschaft stark prägen.

„Für Baden-Württemberg als führenden deutschen Technologiestandort ist es von immenser Bedeutung, die Innovationskraft im Land weiter zu stärken sowie Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit auf internationaler Ebene voranzutreiben. Die transatlantische Kooperation mit den USA bleibt dabei ein entscheidender Schlüssel für unseren zukünftigen Erfolg und für die Sicherung hochwertiger Arbeitsplätze in beiden Volkswirtschaften. Wir wollen Baden-Württemberg als starken, innovativen und zukunftsorientierten Wirtschafts- und Technologiestandort und verlässlichen Kooperations- und Wertepartner der USA positionieren“, so Hoffmeister-Kraut.

Das vielfältige Fachprogramm der Reise umfasste Round Tables mit US-Verbänden, Unternehmensbesuche, Vernetzungsveranstaltungen sowie Austauschformate mit regionalen Partnern. Ein besonderer Fokus lag auf der Förderung von Kooperationen, der Markterschließung sowie Positionierung baden-württembergischer Unternehmen im US-Markt.

 

Schon bei der ersten Station der Reise in Washington war spürbar, wie groß das Interesse an Baden-Württemberg ist. Gleichzeitig konnten auch die Teilnehmenden wertvolle Einblicke gewinnen und erste Kontakte zu politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern aufbauen. Der Networking-Empfang in der Deutschen Botschaft hat bestätigt, dass Unternehmen aus Baden-Württemberg als verlässliche Hightech-Partner wahrgenommen werden – gerade, wenn es um komplexe Systeme und industrielle Spitzenforschung geht.

Gunnar Mey Geschäftsführer von Baden-Württemberg International

In Atlanta knüpften die Teilnehmenden neue Kontakte zu Original Equipment Manufacturers (OEM), Zulieferern und Tech-Start-ups und fanden damit ein ideales Sprungbrett für zukünftige Kooperationen. Die Region ist Sitz der US-Hauptquartiere zahlreicher deutscher Autohersteller, eingebettet in ein starkes Netzwerk von Zulieferern, Logistikdienstleistern und Forschungseinrichtungen. Gleichzeitig zählt Atlanta mit Unternehmen wie Lockheed Martin, Gulfstream Aerospace und Delta Air Lines sowie dem Georgia Tech Institute zu den führenden Luft- und Raumfahrtclustern des Landes.

Für die Luft- und Raumfahrt ist auch Florida von zentraler Bedeutung: Dort liegt der US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral, von dem auch die beiden US-Unternehmer Elon Musk und Jeff Bezos den Start ihrer Raketen durchführen. Rund um SpaceX und Blue Origin hat sich zudem ein vielfältiges Ökosystem weiterer Firmen angesiedelt. In Orlando traf die Delegation auf führende Akteure der Space Coast, was insbesondere für Unternehmen aus dem deutschen Südwesten neue Türen in den Bereichen Satelliten, Avionik und Simulation öffnete.

Am 19.11.2025 haben Baden-Württemberg und der US-Bundesstaat Florida eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet, um ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit auszubauen. Bislang bestanden solche Abkommen seitens Florida nur mit Israel und Großbritannien, nun sollen auch mit Baden-Württemberg gezielt Kooperationen in verschiedenen Zukunftsbereichen entwickelt werden. Im Mittelpunkt stehen Felder, in denen beide Regionen besondere Stärken haben, etwa Mobilität und Luft- und Raumfahrt.

Und die Reise hat gezeigt: Für baden-württembergische Unternehmen bieten die drei besuchten Regionen vielfältige Potenziale und strategische Möglichkeiten:

  • Zugang zu Schlüsselakteuren der Luft- und Raumfahrt sowie Automobilindustrie
  • Direkte Kontakte zu politischen und regulatorischen Entscheidungsträgern, insbesondere im Bereich Mobilität, Verteidigung und Technologiepolitik
  • Kooperationspotenziale mit führenden Forschungseinrichtungen und Technologieclustern
  • Partnerschaften für Hightech-Entwicklung, u. a. in Avionik, Satellitentechnik, Simulation, digitalen Zwillingen und autonomen Systemen
  • Einbindung in dynamische Innovationsökosysteme, die Zugang zu Pilotprojekten, Testzentren und sicherheitskritischen Anwendungsfeldern ermöglichen

 

Unsere Tipps für USA-Interessierte:

BW_i bietet im zweiten Halbjahr 2026 zwei Delegationsreisen nach Nordamerika an:

  • Kalifornien: Schwerpunkt Tech
  • Ontario, Wisconsin, Michigan und Illinois: Schwerpunkte Maschinenbau, Mobilität und GreenTech

Ihr Interesse können Sie bereits jetzt per E-Mail an delegationsreisen(at)bw-i.de bekunden.

Außerdem stellt der GTAI-Exportguide vom März 2025 eine gute Zielmarktanalyse für die US-amerikanische Raumfahrtindustrie dar und bietet eine detaillierte Übersicht der Marktpotenziale.

Cornelia Frank

Leiterin der Abteilung Internationalisierung & Ansiedlung

Manuel Mielke

Internationalisierung

Empfohlene Artikel

Slider überspringen.