Am 27. Februar 2026 kündigte Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, schließlich die vorläufige Anwendung des Abkommens an, nachdem zunächst Uruguay und Argentinien ihre Zustimmung erteilt hatten. Inzwischen hat auch Brasilien den Vertrag ratifiziert. Das Abkommen soll trotz einer noch ausstehenden Überprüfung durch den Gerichtshof der Europäischen Union angewendet werden, was nicht von allen beteiligten Ländern begrüßt wird. Wir haben das Mercosur-Abkommen bereits im Februar 2025 in Go global thematisiert, heute geben wir ein Update dazu.
Wie stehen die EU und Baden-Württemberg zu dem Abkommen?
Die Europäische Union zählt zu den wichtigsten Handelspartnern der Mercosur-Staaten und belegte 2024 im Warenhandel den zweiten Platz. Rund 17 Prozent des gesamten Außenhandels des südamerikanischen Staatenbundes entfielen auf die EU. Umgekehrt rangiert der Mercosur unter den wichtigsten Handelspartnern der Europäischen Union auf Platz zehn.
Auch für Baden-Württemberg spielt der Handel mit den Mercosur-Staaten eine bedeutende Rolle. 2024 gingen rund 14 Prozent der deutschen Exporte in diese Region auf Unternehmen aus dem Südwesten zurück. Betrachtet man den Zeitraum von 2010 bis 2024, lag dieser Anteil durchschnittlich bei knapp 15 Prozent. Gleichzeitig entwickelten sich die Ausfuhren nur langsam und wuchsen jährlich im Durchschnitt um lediglich 0,38 Prozent. Dieses vergleichsweise geringe Wachstum deutet darauf hin, dass bislang vorhandene Handelshemmnisse – etwa hohe Zölle und Marktzugangsbeschränkungen – das Potenzial des Handels deutlich eingeschränkt haben.
Mit dem neuen Freihandelsabkommen könnten sich diese Rahmenbedingungen nun deutlich verbessern. Insgesamt entsteht durch das Abkommen eine der größten Freihandelszonen weltweit. In diesem Zusammenhang betonte von der Leyen die wirtschaftlichen Chancen: Das Mercosur-Abkommen öffne einen Markt von rund 720 Millionen Menschen, senke Zölle in Milliardenhöhe und ermögliche insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu neuen Märkten und Wachstumsmöglichkeiten.
Die IHK Region Stuttgart hat in ihrer Going International-Umfrage 2025 243 Unternehmen aus Baden-Württemberg zum Mercosur-Abkommen und zur US-Handelspolitik befragt; fast zwei Drittel der Antworten stammen von kleinen und mittleren Unternehmen. Etwa 40 Prozent der international tätigen Unternehmen aus Baden-Württemberg gehen laut Umfrage davon aus, dass das Mercosur-Abkommen Auswirkungen auf ihre Aktivitäten in dieser Region haben wird. Als wichtigste Effekte nennen die Firmen vor allem einen einfacheren Zugang zu den Märkten sowie den Abbau bestehender Handelsbarrieren, was von 73 Prozent der Befragten hervorgehoben wird. An zweiter Stelle stehen mögliche Kostenvorteile durch reduzierte Zölle, die 62 Prozent erwarten.
Rund ein Drittel der Unternehmen, die sich vom Abkommen betroffen sehen, plant zudem, seine Exportgeschäfte oder Beschaffungsaktivitäten in den Mercosur-Staaten auszubauen oder erstmals aufzunehmen. Weitere sieben Prozent ziehen zusätzliche Investitionen in den Ländern des Bündnisses in Betracht oder wollen dort erstmals investieren. Sechs Prozent sehen außerdem Chancen in einer leichteren Diversifizierung ihrer Lieferketten. Lediglich ein Prozent der befragten Unternehmen rechnet mit negativen Folgen durch das Inkrafttreten des Abkommens.