Von der Erdölproduktion hin zur Diversifikation der Marktsektoren
Saudi-Arabien zählt dank seiner reichen Vorkommen an Erdöl zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Doch angesichts globaler Herausforderungen und dem Wunsch nach wirtschaftlicher Stabilität setzt der Wüstenstaat auf eine umfassende Diversifizierung seiner Wirtschaft. In ihrem Programm Vision 2030 legte die saudische Regierung bereits im Jahr 2016 den Grundstein für die ökonomische Transformation und schob damit eine Reihe von Großprojekten an. Dazu gehören u.a. NEOM, ein futuristisches Stadtprojekt und eine Sonderwirtschaftszone nahe der jordanischen Grenze, das Megatourismusvorhaben an der Westküste des Roten Meers Red Sea Project sowie die Weltausstellung Expo 2030 in Riad.
Aktuell hat der Israel-Iran-Konflikt die geopolitische Lage in der Region verschärft und sorgt für erhebliche Unsicherheit auf den internationalen Märkten. Besonders betroffen ist der Ölsektor, dessen Entwicklung stark von politischen Spannungen beeinflusst wird. In Saudi-Arabien wirken sich diese Unsicherheiten auf zentrale wirtschaftliche Bereiche aus.
Deshalb setzt die saudische Regierung weiterhin auf die Stärkung nicht-ölbasierter Sektoren wie Tourismus, Bauwesen, Einzelhandel und Dienstleistungen. Diese Branchen spielen eine zentrale Rolle im Rahmen der wirtschaftlichen Transformation des Landes.
Im Zentrum unserer Betrachtung stehen Sektoren, die das Ziel einer breiter aufgestellten Wirtschaft in dem Wüstenstaat maßgeblich unterstützen sollen, und wo Potenziale für baden-württembergische Firmen zu finden sind:
- Gesundheitswirtschaft: Saudi-Arabien und die anderen Golfstaaten haben in den letzten Jahrzehnten ein starkes Wirtschaftswachstum verzeichnet. Dies führte zu einer steigenden Nachfrage nach hochwertiger medizinischer Versorgung. Als Reaktion darauf haben die Regierungen ihre Investitionen im Gesundheitswesen deutlich erhöht. Diese Entwicklung hat das Gesundheitssystem spürbar verbessert und bietet vielfältige Chancen für internationale Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. Das Königreich setzt u.a. gezielt auf Innovationen im Gesundheitswesen, vor allem im Bereich Medizintechnik und Gesundheitsausrüstung.
- Bergbau: Saudi-Arabien verfügt über zahlreiche Ressourcen, die für den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten genutzt werden können. Der Bergbau zählt dabei zu den zentralen Säulen der angestrebten wirtschaftlichen Neuausrichtung. Durch das neue Saudi Mining Investment Law gilt ein Steuersatz in Höhe von 20 Prozent für ausländische Investitionen im Bergbau. Hier stehen u.a. Lösungen für Arbeitssicherheit und spezialisierte Ausstattung im Fokus.
- Bau- und Infrastruktur: Im Rahmen der Vision 2030 nimmt der Infrastrukturausbau eine Schlüsselrolle ein. Besonders das Großprojekt NEOM erfordert erhebliche Investitionen seitens des Königreichs, wobei die stetig steigenden Kosten das Prestigevorhaben zunehmend belasten. Auch die geplante Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft bringt zusätzlichen Investitionsdruck insbesondere im Wohnungsbau, im Hotelwesen sowie in der allgemeinen Infrastruktur mit sich. Bis 2030 sollen rund 400.000 neue Wohneinheiten entstehen. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Baustoffen, Bauchemikalien und innovativen, nachhaltigen Technologien.
- Wasserstoff: Wasserstoff ist ein zentraler Baustein in Saudi-Arabiens Strategie zur Umgestaltung des Energiesektors. Das Königreich investiert verstärkt in Technologien zur Produktion, Speicherung und zum Transport von Wasserstoff.
- Logistik und Mobilität: Saudi-Arabien will zu einem globalen Logistikzentrum werden. Stark nachgefragt sind deshalb Technologien für intelligente Verkehrsplanung, Fracht- und Logistikverfolgung, den öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie moderne Flughafentechnologien.
Bei Fragen rund um den Markteinstieg in die MENA-Region steht Ihnen unser Kollege Andreas Pfister, Manager Internationalisierung, gerne zur Verfügung.