Digitalisierung, Forschung, Unternehmertum: Estlands Weg zum Innovationsstandort

Bolt, Wise und Skype: Estland, ein Land mit gerade einmal 1,37 Millionen Einwohnern – und damit so vielen wie Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe und Heilbronn zusammen – glänzt mit den meisten Unicorns pro Kopf in der Europäischen Union und gilt als Europas Vorzeigeland für Digitalisierung und eGovernment. Wir beleuchten heute das ambitionierte Start-up-Ökosystem der Esten.

Estland – ein Vorbild für andere Länder

Online wählen, Bankgeschäfte abwickeln und auch sämtliche Aspekte des Gesundheitssystem digital erledigen – Estland hat seine Behördendienste zu 100 Prozent digitalisiert. Zwischen 2015 und 2024 entsprachen die Venture-Capital-Investitionen in Estland laut einer Studie von State of European Tech 1,17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das bedeutet: Im Verhältnis zur Größe seiner Wirtschaft wurde in kaum einem anderen Land so viel Geld in den Technologiesektor investiert wie in Estland. Die Plätze zwei und drei gehen an Singapur und Israel, Deutschland liegt auf Platz 25. Im Startup Ecosystem Report 2025 von StartupBlink belegt Estland den weltweit 11. Platz im Ranking.

Während die Hauptstadt Tallinn inzwischen viele internationale Unternehmen, ausländische Delegationen und Startup-Investoren im Blick haben, ist Estlands zweitgrößte Stadt Tartu noch ein Geheimtipp. In Tartu findet das größte Startup Festival in der baltischen Region statt, der sTARTUp Day. Insbesondere DeepTech-Startups sind hier zu finden, die Technologien auf der Grundlage wissenschaftlicher oder technischer Fortschritte entwickeln. Kein Wunder, denn Tartu ist Sitz der ältesten estnischen Universität. Sowohl Tallinn als auch Tartu weisen eine gute Wachstumsrate des Ökosystems von über 35 Prozent auf. Den Technologietransfer ermöglicht beispielsweise der Sparkup Tartu Science Park. Das Ziel ist es, technologische Innovationen zu international erfolgreichen Unternehmen zu entwickeln.

Anna Krywalski, Managerin Internationalisierung bei BW_i, war im Juni 2025 im Zuge des Standortmarketings vor Ort und bestätigt, dass der Innovationsmotor in Estland und in Tartu auf Hochtouren läuft. Unter anderem führte sie Gespräche mit Vertretern von EIS | Enterprise Estonia, dem Sparkup Tartu Science Park, der University of Tartu sowie den Unternehmen BiotaTec - Next Gen BioMining Centre und GScan. Sie traf auf eine engagierte Stadtverwaltung, die Smart City–Entwicklungen in Tartu gestaltet und zu einem fruchtbaren Innovationsklima in der Region beiträgt. Einen weiteren wichtigen Beitrag leisten engagierte Clustermanager, die Zukunftsbranchen entwickeln, indem sie frühzeitig Strukturen und Ökosysteme schaffen, so beispielsweise das Hydrogene Cluster, das in Tartu neu gegründet wurde. Große Offenheit beweisen die Esten bei Innovationen, indem sie beispielsweise ihre DNA zur Verfügung stellen, um die größte DNA-Datenbank der Welt zu schaffen – auch diese Initiative hat ihren Ursprung in Tartu.

Kooperationschancen für Akteure aus Baden-Württemberg

Eine starke akademische Tradition gepaart mit einer innovativen Wirtschaft und hoher Lebensqualität machen die Region Tartu zu einem überaus attraktiven Kooperationspartner für baden-württembergische Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Cluster. Aufgrund des kleinen Heimatmarktes sind estnische Unternehmen sehr früh an Internationalisierung interessiert. Eine echte Win-Win-Situation für die Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg:

Estlands Aufstieg als globaler Startup-Hub ist kein Zufall - er ist das Ergebnis von unermüdlicher Innovation, digitaler Führung und einem mutigen Unternehmergeist. Von Einhörnern bis hin zu Pionieren in der Frühphase ist unser Ökosystem auf Vertrauen, Offenheit und Agilität aufgebaut. [...] Wir heißen visionäre Gründer und Investoren willkommen, die mit uns die Zukunft mitgestalten wollen.

Erkki Keldo Minister für Wirtschaft und Industrie in Estland

Insbesondere für die hiesige Automobilindustrie ist Estland interessant, da das digital fortschrittliche Land mit seiner hohen Innovationskraft in der Softwareentwicklung ideale Voraussetzungen für Zukunftstechnologien wie vernetzte und autonome Fahrzeuge bietet.

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Typ
Update
Autor
Datum
23.07.2025

Anna Krywalski

Internationalisierung

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