Ein differenzierter Blick für nachhaltige Partnerschaften
Die Afrikanische Union hat bei ihrem im Februar 2025 abgehaltenen 38. Gipfel mit der „African Credit Rating Agency“ (AfCRA) eine Maßnahme beschlossen, die für weniger Ungleichheit im globalen Finanzsystem sorgen soll. Die AfCRA wurde gegründet, um die Kreditwürdigkeit afrikanischer Länder realistischer zu bewerten und die hohen Risikoaufschläge zu senken, die durch pessimistische oder nicht vorhandene Bewertungen existierender Ratingagenturen entstehen. Sie soll den Zugang zu Finanzierungen für afrikanische Staaten und Unternehmen erleichtern und das Vertrauen von Investoren in den Kontinent stärken. Über 20 afrikanische Staaten waren bisher z.B. vom Ratingsystem der bekannten amerikanischen Ratingagenturen (Moody’s, S&P und Fitch) gar nicht in der Wertung erfasst.
Die Schaffung der AfCRA steht in direktem Zusammenhang mit einem Thema, das auch für die deutsche Außenwirtschaft von Bedeutung ist: Trotz der wachsenden Rolle Afrikas in der Weltwirtschaft, des stabilen Wirtschaftswachstums in vielen afrikanischen Ländern (prognostiziertes Durchschnittswachstum von 4,2 Prozent im Jahr 2025) und der dringenden Notwendigkeit, die deutsche Wirtschaft zu diversifizieren, bleibt das Engagement hiesiger Unternehmen in Afrika bislang hinter den Potenzialen des Kontinents zurück. Die Zurückhaltung deutscher Firmen wird oft durch Bedenken bezüglich politischer Instabilität und Korruption erklärt – zwei Faktoren, die als negative Standortfaktoren und Investitionsrisiko Afrikas gelten. Diese Perspektive ergibt sich aus der häufigen medialen Darstellung Afrikas als Kontinent der Unsicherheit, Krisen und Korruption, ist jedoch zugleich verallgemeinernd und einseitig. Sie ignoriert einen entscheidenden Punkt: Afrika besteht aus 54 Staaten, die sich nicht nur kulturell und sozial, sondern auch in ihren politischen Systemen und Wirtschaftsstrukturen stark unterscheiden.
Es ist richtig, dass es auf dem afrikanischen Kontinent Staaten gibt, die politische Instabilität und Konflikte erleben. Hier ist es wichtig, die verheerenden Kriege im Sudan und im Osten der Demokratischen Republik Kongo genauso zu nennen wie die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus in den Sahelstaaten Mali, Burkina Faso und Niger sowie in Nord-Mosambik oder Somalia. Es gibt jedoch weitaus mehr afrikanische Staaten, in denen sich stabile Demokratien entwickelt haben, deren Volkswirtschaften florieren, und deren Märkte für die deutsche Wirtschaft überaus interessant sind. Im Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) des Jahres 2024 von Transparency International sind afrikanische Staaten wie Botswana, Namibia, Senegal, oder Côte d’Ivoire besser positioniert als klassische deutsche Handelspartner wie die Türkei, Indien, China oder Brasilien. Zudem bietet das „Superwahljahr 2024“ Anlass zu Optimismus über den Status verschiedener afrikanischer Demokratien. In Ländern wie Senegal, Ghana und Botswana haben im letzten Jahr Wahlen zu friedlichen Regierungswechseln geführt, und auch in Südafrika zeigt die Präsidentschaftswahl vom Juni 2024, dass vor allem junge Wählerinnen und Wähler die Regierung in freien und demokratischen Wahlen rechenschaftspflichtig halten können.
Geschäftschancen für baden-württembergische Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent
Für Unternehmen aus Baden-Württemberg bieten sich auf dem afrikanischen Kontinent zahlreiche Geschäftschancen in unterschiedlichen Wirtschaftssektoren. Afrika hat nicht nur die jüngste und am schnellsten wachsende Bevölkerung weltweit (Bis 2050 wird Afrika voraussichtlich ein Viertel der Weltbevölkerung stellen), sondern bleibt nach Asien auch die wirtschaftlich am zweitschnellsten wachsende Region der Welt. Zahlreiche afrikanische Länder verzeichnen ein starkes Wirtschaftswachstum, was das Potenzial für Investitionen in unterschiedlichen Wirtschaftssektoren weiter steigert.