Painted sketch of Vietnam
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Aufbruchstimmung in Vietnam: Chancen für Wirtschaft und Wissenschaft nutzen

„Cà phê sữa đá! Cà phê sữa đá!“ – der Ruf nach dem beliebten vietnamesischen Eiskaffee hallt durch die Straßen Hanois, während sich der Verkäufer auf seinem Motorrad in den endlosen Strom von Zweirädern einreiht. Überall spürt man Bewegung, Energie und Geschäftigkeit. Dieser Augenblick steht sinnbildlich für die Aufbruchsstimmung eines Landes, das längst nicht mehr nur als exotisches Reiseziel gilt.

Hinter der lebendigen Straßenkulisse verbirgt sich ein Land voller wirtschaftlicher Chancen: Junge, gut ausgebildete Menschen, eine strategisch günstige Lage und zahlreiche Freihandelsabkommen machen Vietnam besonders attraktiv für deutsche kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Laut GTAI errichten deutsche Firmen derzeit fünf bis zehn Fabriken pro Jahr – damit liegen sie allerdings noch deutlich hinter den Investitionen aus Japan, Südkorea, Taiwan und China.

Vietnam ist heute ein global wichtiger Produktionsstandort für Elektronik, Kleidung, Schuhe und Möbel mit einer Exportquote von über 90 Prozent. Gleichzeitig wächst die Mittelschicht rasant, wodurch der Markt für Konsum- und Investitionsgüter stetig zunimmt. Für KMU eröffnen sich damit sowohl Produktions- als auch Absatzchancen, die strategisch genutzt werden können und neue Wachstumsmöglichkeiten für das Asien-Pazifik-Geschäft bieten.

Besondere Beziehungen zur DDR

Die wirtschaftlichen Verknüpfungen bauen auf einem Fundament von langjähriger Annäherung auf. Während der DDR lebten beispielsweise rund 60.000 Vietnamesinnen und Vietnamesen in Deutschland – zeitweise die größte Gruppe ausländischer Staatsangehöriger. Viele kamen als Vertragsarbeiterinnen und -arbeiter, andere studierten oder arbeiteten als Fachkräfte. Einige kehrten nach Vietnam zurück und pflegen heute in führenden Positionen als „Deutschland-Alumni“ enge Beziehungen nach Europa, andere bauten sich in Deutschland trotz zahlreicher Widrigkeiten eine neue Existenz auf.

Auch auf deutscher Seite gab es einen intensiven Austausch: Nachwuchsforschende, Diplomaten und Fachkräfte arbeiteten zeitweise in Vietnam, begleiteten Projekte und unterstützten gemeinsame Initiativen. Diese frühen und langjährigen Verbindungen bilden mitunter noch heute die Grundlage zahlreicher Kooperationen in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.

Wirtschaft und Bildung im Zentrum der deutsch-vietnamesischen Zusammenarbeit

Heute ist die deutsch-vietnamesische Kooperation fest in Wirtschaft und Bildung verankert. Über 530 deutsche Unternehmen sind in Vietnam aktiv – von der Automobilindustrie (Bosch, Mercedes-Benz), Technologieanbieter (Siemens) über Softwareentwicklung und erneuerbare Energien bis hin zu Landwirtschaft und Bildung. Institutionen wie die Vietnamese-German University (VGU), die GIZ, AHK Vietnam und das Goethe-Institut begleiten diese Partnerschaften aktiv.

Auch die deutsche Auslandscommunity trägt zur Vernetzung bei: Die 1995 gegründete „German Business Association“ (GBA) zählt über 400 Mitgliedsfirmen. Ein kultureller Höhepunkt ist das Oktoberfest in Vietnam, das dieses Jahr das 30-jährige Jubiläum der GBA und 50 Jahre deutsch-vietnamesische Diplomatie feiert. Nach dem Erfolg von 2024 mit über 10.500 Besucherinnen und Besuchern verspricht das Event erneut, ein Fest von Kultur, Bier und Networking zu werden.

Bildung und Fachkräfte stehen weiterhin im Mittelpunkt: Immer mehr junge Vietnamesinnen und Vietnamesen studieren in Deutschland, sowohl in deutsch- als auch englischsprachigen Programmen. Projekte wie der „Karriere-Truck“, der 2025 landesweit über Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten in Deutschland informiert, zeigen eindrucksvoll, wie eng die Länder im Bildungsbereich kooperieren.

THE LÄND trifft Vietnam: Enge Bande und Chancen

Auch Baden-Württemberg pflegt enge Verbindungen nach Vietnam: Laut dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg exportierte das Land 2024 Waren im Wert von 360 Millionen Euro und importierte 1,5 Milliarden Euro – rund zehn Prozent aller deutschen Einfuhren aus Vietnam. Zahlreiche Unternehmen aus Textil, Maschinenbau, Infrastruktur und Verpackung sind vor Ort aktiv. Die Landesbank Baden-Württemberg baute ihre Präsenz aus und unterzeichnete 2025 ein MoU mit der Techcombank und Techcom Securities.

Neben Handel und Investitionen sind Bildung und Fachkräftegewinnung zentrale Säulen der Partnerschaft. Über 20 Hochschulkooperationen, darunter zum Beispiel zwischen der Hochschule Heilbronn und der Vietnamese-German University, fördern den wissenschaftlichen Austausch, während deutschlandweite Initiativen wie „Hand in Hand for International Talents“ oder „Partnerschaftliche Ansätze für entwicklungsorientierte Ausbildungs- und Arbeitsmigration (PAM)“ gezielt Fachkräfte aus Vietnam zu uns bringen. Rund 12.500 vietnamesische Bürgerinnen und Bürger prägen zudem das gesellschaftliche Leben – in Unternehmen, Gemeinden, der Gastronomie oder Sprachschulen.

KMU in Vietnam: Chancen nutzen, Netzwerke aufbauen

Für kleine und mittlere Unternehmen aus Baden-Württemberg bietet Vietnam gleich zwei Perspektiven: einen dynamischen Produktionsstandort und einen wachsenden Absatzmarkt. Gefragt sind vor allem Maschinenbau-, Automobil-, Verpackungs- und Konsumgüter. Chancen eröffnen sich zudem in den Bereichen IT, Softwareentwicklung, Bildung sowie beim Ausbau von Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Auch die Halbleiterindustrie gewinnt an Bedeutung. Vietnam entwickelt sich schrittweise zu einem Standort in der globalen Chipproduktion.

Attraktive Lohn- und Investitionsbedingungen, zahlreiche Freihandelsabkommen und ein stabiles Geschäftsklima erleichtern den Einstieg. Wer frühzeitig auf verlässliche Partnerschaften setzt, Präsenz zeigt und sich langfristig engagiert, kann von der engen Vernetzung deutscher Institutionen profitieren und nachhaltige Geschäftserfolge erzielen.

Unsere Top 3 Praxis-Tipps für den Markteintritt:

  • Netzwerke gezielt aufbauen: Persönliche Beziehungen sind der Schlüssel zum Erfolg. Investieren Sie Zeit in den direkten Austausch mit lokalen Partnern, Kunden und Mitarbeitenden – langfristiges Vertrauen zahlt sich in der Praxis besonders aus.
  • Geschäftskultur und Zielgruppen verstehen: Lernen Sie vietnamesische Denk- und Arbeitsweisen kennen und analysieren Sie die Erwartungen Ihrer Zielgruppen (ganz gleich ob Kunden, Distributoren oder andere Stakeholder). Ein gutes Verständnis vermeidet typische Stolperfallen und legt die Basis für vertrauensvolle Kooperationen.
  • Schrittweise Expansion planen: Starten Sie mit Pilotprojekten, Vertriebspartnern oder Kooperationen mit Hochschulen. So testen Sie den Markt risikofrei und können Investitionen strategisch und fundiert ausbauen.

Risiken gilt es dabei im Blick zu behalten: Vietnams starke Exportorientierung macht das Land anfällig für globale Krisen und Handelskonflikte, rechtliche Anforderungen sind komplex und variieren regional, und die Konkurrenz aus Asien „weiß, was sie tut“.

Mit der richtigen Strategie und verlässlichen Partnern können KMU aus Baden-Württemberg in Vietnam jedoch nachhaltig wachsen. Diese und weitere Hinweise haben wir beispielsweise in unserem Markteintrittsworkshop „Erfolgreich in Vietnam“ am 24. September 2025 umfassend dargelegt. Für Fragen dazu steht euch unsere Länderexpertin Caroline Müller-Runte zur Verfügung.

Tags

Typ
Update
Autor
Datum
02.10.2025

Caroline Müller-Runte

Internationalisierung

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